Gedanken zum Proposal von Stefan Windt,
Vicepresident der SquareBreakers Recklinghausen.
Callerlab hat entschieden, die Programme MS und Plus neu zu ordnen. Der Vorschlag dazu unter dem Namen the Proposal wurde angenommen.
Jetzt mag mancher Club sagen, was hab ich damit zu tun, darum sollen sich die Caller kümmern.
Das ist kurzsichtig gedacht, denn auch wenn die Änderungen eigentlich erst im September nächsten Jahres gelten sollen, stellen sich jetzt schon entscheidende Fragen:
- Wenn wir jetzt im Herbst ein Class starten, müssen die noch ca. 70 Figuren lernen, von denen sie ca. 20 erst bei der Plus–Class wiederhören?
- Wenn wir ein Special ab Mitte nächsten Jahres veranstalten, welches Level sollen wir auf das Flyer schreiben?
- Warum sollten wir unsere Level anpassen, nur weil die Amis Probleme haben? Wir tanzen und teachen einfach weiter wie bisher, wieso nicht?
Worum geht es überhaupt
Callerlab hat entschieden, dass das Einstiegsprogramm MS ab September 2026 nur noch max. 50 Figuren (MS50) und Plus 50+ Figuren beinhaltet. Der ursprüngliche Plan, wild durchzumischen, ist mittlerweile wohl vom Tisch.
Vermutlich wird es so ziemlich auf das, in Europa ignorierte, SSD–Programm (Social Square Dance) hinauslaufen.
Können wir in Europa nicht einfach ignorieren, was die Amis tun, wie bei SSD? Ja können wir. Aber das hat Konsequenzen! Unser Werbeargument, das kann man überall auf der Welt tanzen, würde nicht mehr greifen, wenn es überhaupt jemals galt. Aber wieviele Tänzer reisen soweit durch die Welt? Wir müssen aber auch Caller finden, die den alten Weg mitgehen.
Im letzten Bulletin hat das Squaredance Council von ECTA keinen Zweifel dran gelassen, den Weg von Callerlab mitzugehen. Aber auch die Caller sind davon nicht alle begeistert. Sie haben die Arbeit, ihre SingingCall–Sequenzen und Module anzupassen und sich auf weniger Calls beschränken zu müssen.
Nur was interessiert das uns Clubs
MS–Clubs werden sich entscheiden müssen, ob Sie auf MS50 runtergehen, vielleicht einfach beim bisherigen Programm (MS70) bleiben oder den Weg zum Plus–Club gehen. Und das sowohl auf dem Clubabend als auch bei Specials.
Es wird Tänzer geben, die den jeweiligen Kurs nicht mitgehen, die zu anderen Clubs wechseln oder aufhören. Vielleicht werden wir auch durch kürzere Classes mehr neue Tänzer dazukriegen.
Mir wäre wichtig, dass wir den Austausch zwischen den Clubs erhalten. Friendshipbooks, Bannerklau, regionale Specials regen zum gegenseitigen Besuchen und Treffen an und sollten von uns gepflegt und organisiert werden. Dazu muss aber klar sein, wer welche(s) Level tanzt.
Mein Aufruf an alle Boards: Informiert euch (https://callerlab.org/tippp/ , sprecht mit euren Callern und euren Tänzern und tauscht euch mit den Nachbarclubs aus.
Für diesen Austausch wollten wir ein Treffen am 3.10. in Datteln organisieren. Mangels Raum findet dies leider nicht statt. Wir haben nun stattdessen eine Whats–App–Gruppe MS50 eingerichtet, zu der wir alle Vorstände, Caller und interessierte Tänzer einladen, sich zu diesem Thema zu informieren und auszutauschen.
Bisher haben Caller entschieden, nun sollten auch Tänzer und Clubs ihre Meinung kundtun.
Die geplante Reduzierung des Mainstream-Programms auf lediglich 50 Figuren wird als Modernisierung verkauft, ist bei genauerem Hinsehen jedoch ein bedenklicher Einschnitt in die Qualität und Vielfalt unseres Hobbys. Das Hauptargument der Reform – die Verkürzung der Ausbildungszeit, um schneller neue Mitglieder zu gewinnen – greift zu kurz und ignoriert die langfristigen Folgen für die Tanzfläche.
Erstens berauben wir uns mit dem Wegfall von Klassikern wie Eight Chain Thru, Dive Thru oder Do Paso einer choreografischen Tiefe, die den Square Dance erst lebendig macht. Diese Figuren sind keine bloßen „Vokabeln“, sondern Werkzeuge für den Flow und die Abwechslung im Quadrat. Eine Begrenzung auf 50 Calls wird unweigerlich zu einfachen Mustern führen, die für erfahrene Tänzer schnell monoton wirken und das tänzerische Niveau insgesamt absenken.
Zweitens löst die Verschiebung anspruchsvollerer Figuren in das Plus-Programm kein Problem, sondern verlagert es nur. Die Hürde für den Aufstieg wird künftig massiv erhöht, was bei Tänzern eher zu Frustration als zu Motivation führen dürfte.
Drittens gefährdet dieser radikale Schritt die Einheitlichkeit. Wenn Clubs oder ganze Regionen – aus gutem Grund – am „Classic Mainstream“ festhalten, verlieren wir die Sicherheit, auf demselben Stand miteinander tanzen zu können. Anstatt das Programm zu beschneiden und damit das Kulturgut Square Dance zu verwässern, sollten wir lieber in bessere Lehrmethoden investieren. Qualität entsteht nicht durch Weglassen, sondern durch Begeisterung und kompetente Vermittlung.
Wir sollten den Mut haben, an einem Programm festzuhalten, das fordert und fördert, statt den Weg des geringsten Widerstands zu gehen und ein Mainstream-Light zu tanzen.